Über uns
Spielzeit 2026/2027 „50 Jahre Schnürschuh Theater“
50 Jahre Schnürschuh Theater
Alles begann 1976. In einer Zeit, in der die Welt draußen eine andere war, schnürte man in Bremen die Schuhe, um loszugehen – für ein Theater, das nah bei den Menschen sein wollte. Bekannt geworden als starkes Kinder- und Jugendtheater, hat das Schnürschuh Theater Generationen von jungen Menschen geprägt. Wer von uns, die in Bremen aufgewachsen sind, saß nicht mit großen Augen auf den Holzstühlen, das Herzklopfen im Bauch, wenn sich der Vorhang hob? Hier wurde Theater nicht von oben herab gespielt. Es wurde auf Augenhöhe erzählt. Mit Musik, mit Mut, mit bunten Pullovern und oft genug mit einer wunderbaren Portion Anarchie, die das Leben eben lebenswert macht.
Fünfzig Jahre Schnürschuh Theater – das ist weit mehr als ein runder Geburtstag eines Bremer Kulturdenkmals. Es ist das stolze Jubiläum einer Institution, die seit ihrer Gründung 1976 beweist, dass Kultur kein Luxusgut für privilegierte Nischen ist. Kultur ist das Fundament, auf dem unsere Stadtgesellschaft verhandelt, wer sie sein will.
Gerade in Zeiten, in denen der gesellschaftliche Zusammenhalt bröckelt und der Ton im öffentlichen Diskurs rauer wird, zeigt sich der unschätzbare Wert dieses Hauses. Das Schnürschuh Theater war und ist ein Ort der kritischen Reflexion. Es bringt Generationen zusammen – von den Jüngsten im Kinder- und Jugendtheater bis zum erwachsenen Abendpublikum. Hier wird nicht weggeschaut. Ob es um Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Flucht, Identität oder – wie in der aktuellen Jubiläumsspielzeit – um Heimat und Würde geht: Dieses Theater hält uns den Spiegel vor. Es zwingt uns zum Dialog, wo andere bereits schweigen.
Ein solches Jubiläum ist ein Grund zum Feiern, aber es muss auch ein Moment des politischen Innehaltens sein. Fünfzig Jahre erfolgreiche Arbeit bedeuten auch fünfzig Jahre Kampf um Ressourcen, um faire Honorare und um Planungssicherheit. Die Freie Szene leistet einen gigantischen Beitrag zur kulturellen Bildung und zur Lebensqualität in unseren Stadtteilen – oft unter Bedingungen, die von maximaler Flexibilität und prekären Budgets geprägt sind.
Kulturpolitik darf sich nicht darin erschöpfen, das Bestehende zu verwalten oder in Sonntagsreden zu loben. Wer eine lebendige Demokratie will, muss die Orte stärken, an denen Empathie und kritisches Denken gelernt werden. Das Schnürschuh Theater hat über fünf Jahrzehnte hinweg bewiesen, dass jeder investierte Euro hier ein Vielfaches an gesellschaftlichem Wert zurückgibt. Verlässliche Förderung und strukturelle Anerkennung sind keine Subventionen aus Gefälligkeit – sie sind eine Investition in die Zukunft unserer Stadt.
Unsere Stücke zeigen Menschen, die mit einer Welt voller Widersprüche zu kämpfen haben. Wie in unserer Demokratie, finden sich darin selten einfache Lösungen. Sie beschreiben Spannungsfelder. Dabei zeichnen sich die Inszenierungen ästhetisch neben einer hohen Musikalität und Ernsthaftigkeit immer auch durch Humor und eine gewisse Leichtigkeit aus. So soll Menschen jeden Alters Kultur als Bereicherung und Genuss erlebbar gemacht werden.
Ein Theatergebäude ist am Ende nur Stein und Holz. Es sind die Menschen, die diesen Ort mit Leben füllen.
Ein riesiger, herzlicher Dank gilt allen Schauspieler: innen, den Regisseur: innen, den Techniker: innen, den Menschen hinter der Bühne, den Ehrenamtlichen, der Leitung und allen Ehemaligen, die in den vergangenen fünfzig Jahren geprobt und geträumt haben. Sie alle haben dieses Haus zu dem gemacht, was es ist: Ein Zuhause für Geschichten.
Und liebes Publikum! Ohne Ihre Treue, Ihren Applaus und Ihr Mitfiebern gäbe es diesen Ort nicht. Sie halten dem Schnürschuh die Treue.
Fünfzig Jahre sind vergangen. Doch das Schönste am Theater ist: Es fängt mit jeder neuen Inszenierung wieder bei Null an. Es bleibt jung im Geiste.
Auf die nächsten fünfzig Jahre Schnürschuh Theater! Auf den Mut, die Fantasie und das Leben!
Anja Hinrichs & Pascal Makowka
(Geschäftsleitung & Künstlerische Leitung)
